Die deutsche Gebärdensprache

Warum einen DGS-Kurs belegen?

Italienisch lernen, weil man einmal im Jahr in die Toskana in Urlaub fährt?

Warum nicht DGS lernen, wenn man täglich einem der 80.000 Gehörlosen, die in Deutschland leben, begegnen könnte?

In einem DGS-Kurs sitzen meist Menschen, die in ihrer Firma einen oder mehrere gehörlose Kollegen haben, oder Menschen aus sozialen Berufen, die mit gehörlosen Kunden arbeiten.

Warum aber sollte jemand, der augenscheinlich nichts mit Gehörlosen zu tun hat, Gebärdensprache lernen?

Haben Sie schon mal einem Blinden über die Straße geholfen oder einem Rollstuhlfahrer oder einer Mutter mit Kinderwagen die Tür aufgehalten? Haben Sie schon einmal einem Gehörlosen den Weg zum Bahnhof erklärt? Nein?

So schwer wäre das gar nicht. Gebärdensprache lernen bedeutet nicht nur Vokabeln pauken, sondern eine ganz neue Form der Kommunikation kennenlernen.

Für Hörende ist es oft ein zunächst seltsames, dann zunehmend befreiendes Gefühl, sich nur mit Händen und Mimik auszudrücken und dabei festzustellen, wie viel lebendige Ausdrucksmöglichkeit darin liegt.

„Eine Sprache lernt man am besten, wenn man sie spricht.“

In der DGS-Fabrik werden die Kurse ausnahmslos von gehörlosen Dozenten angeboten. Sie lernen nicht nur eine neue, in ihrer komplexen Form und doch oft eingängigen Logik unerwartete Sprache, sondern „nebenbei“ auch viel über die Kultur der Gehörlosen, die ja Teil unserer Gesellschaft ist und gleichzeitig viele unbekannte Bereiche aufzeigt.

Neben der Möglichkeit, sich mit gehörlosen Mitbürgern verständigen zu können, bietet das Erlernen der Gebärdensprache noch zusätzliche Vorteile. Es trainiert die visuelle Wahrnehmung, schult die Ausdruckskraft und trainiert die Gesichtsmuskulatur. In der vollen Kneipe, der Disco, quer über die vierspurige Straße hinweg oder durch das Fenster ins Zugabteil ist Kommunikation jetzt kein Problem mehr.